Emil Orlik 2018-07-31T11:59:30+00:00

EMIL ORLIK …

… wurde am 21.07.1870 als Sohn eines Schneidermeisters in Prag geboren. Schon während der Gymnasialzeit war er sicher, dass er Maler und Grafiker werden wollte. Die Aufnahme an der Kunstakademie in München scheiterte, weil er zu wenig Fertigkeiten im Aktzeichnen hatte. In der renommierten privaten Malschule von Heinrich Knirr in München schaffte er die erforderlichen Kenntnisse zur Aufnahme in die Akademie. 1891 wurde er Student in der Klasse von Wilhelm von Lindenschmit, der ihn förderte und ihm bald ein eigenes Atelier zur Verfügung stellte. Daneben arbeitete er an der akademischen Kupferstecherschule bei Johann Leonhard Raab. Bereits mit 23 Jahren erhielt er die silberne Medaille der Akademie für zwei Pastelle. 1895 wurde er Gründungsmitglied des Verein der Deutschen Bildenden Künstler in Böhmen. 1896 zog er wieder nach München, wo er mit Bernhard Pankok gemeinsam erste Farbholzschnitte schuf. Ein Jahr später entwarf er für Gerhard Hauptmann, mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verbinden sollte, das Plakat für „Die Weber“. Die Zeitschrift „Jugend“, deren Mitarbeiter er 1896—1901 war, veröffentlichte regelmäßig Arbeiten von Orlik. Die Freundschaft mit Rilke führte Orlik dazu, sich Bucheinbänden und Illustrationen zu zuwenden. 1898 bereiste er 11 Monate lang England Schottland, Holland, Belgien und Frankreich. 1899 wurde er Mitglied der Wiener Secession. In der Weltausstellung in Paris sah er erstmals japanische Holzschnitte. Hiervon inspiriert und fasziniert unternahm er 1900-1901 seine erste Ostasienreise nach Japan, um von den dortigen Lehrern den Holzschnitt zu erlernen. Dort schuf er Farbholzschnitte mit dünnsten filigranen Stegen, die er mit einer expressionischen Farbigkeit meisterhaft kombinierte. Orlik hatte dem Anspruch schaffender Künstler und ausführender
Handwerker gleichzeitig zu sein. Diese früher im 15. und 16. Jahrhunderts bestehende gesunde Brücke, die im 19. Jahrhunderts in die Arbeit des Künstlers und Handwerkers zerfiel, wollte er wieder herstellen. Er hielt an diesem Ziel zeitlebens fest. Er waren Zeichner des Augenblicks. Er sah, lies seinen Eindruck und seine Stimmung wirken, zeichnete, schnitt und druckte selber. Nur so konnte das, was er sah, in der Art wie er es sah, auch von ihm authentisch umgesetzt werden. Diese Technik des Sehens, Empfindens und Schaffens vermittelte er auch seinen späteren Schülern an der Berliner Akademie. 1904 wurde er als Professor an die stattliche Lehranstalt nach Berlin berufen, wo er als Nachfolger von Otto Edelmann die Leitung der Klasse für grafischen Kunst und Buchkunst bis zu seinem Tod 1932 übernahm. Es schlossen sich mehrfach Reisen nach Italien, Frankreich und in die Schweiz an, bis er 1912 die zweite Ostasienreise über Ägypten, Nubien, Ceylon, China und Korea nach Japan unternahm. Er schuf eine unendliche Menge von Arbeiten während und nach dieser Reise mit arabischen und asiatischen Impressionen, wovon die japanischen Arbeiten als Höhepunkte seines Schaffens gelten. 1918 nahm er als Pressezeichner an der deutsch—russischen Friedenskonferenz in Brest—Litowsk teil. Bis kurz vor seinem Tod unternahm er weitere Reisen nach New York, Spanien, Frankreich Dalmatien und in die Schweiz.  Er war Anfang des 20. Jahrhunderts der begehrteste Portraitist in der damaligen Welt. Er zeichnete von 1900 bis zu seinem Tod fast alle damals lebenden Künstler, Wissenschaftler, Dichter, Komponisten und Schauspieler und schuf von ihnen Raderungen und Lithographien.
Am 28.09.1932 starb Orlik in Berlin.

Grafiker und Maler
1870—1932